Für „Klimaschutz ohne Moralkeule“

Elpersdorf -Die Oberbürgermeisterwahl ist kurz Thema gewesen. Aber eine eigene OB-Kandidatin oder einen Kandidaten stellt die BAP in Ansbach zur Kommunalwahl nicht. Ihr ging es in der Nominierungsversammlung vielmehr um ihre Stadtratsliste. Von 40 Bewerberinnen und Bewerbern erhielt da nur einer eine einzige Gegenstimme.

Die Stimmberechtigten befanden im Ortsteil Elpersdorf über die vollständige Liste, nicht über jede Kandidatin und jeden Kandidaten einzeln. Möglich war, einzelne zu streichen. Dies war nur ein einziges Mal bei dem amtierenden Stadtrat Sebastian Höhn (Platz 9) der Fall. Er erhielt in geheimer Wahl 39 Stimmen, alle anderen 39 Bewerberinnen und Bewerber sowie die drei Ersatzkandidierenden jeweils 40.

Als Vorsitzender hatte Ralph-Peter Kappestein zu Beginn auf die Wahl am 8. März eingestimmt. Die Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser (BAP) „sitzt seit 1978 ununterbrochen im Ansbacher Stadtrat“, betonte er. Aktuell hat sie fünf Sitze.

„Ich kandidiere nicht, weil ich ein Amt brauche“, legte Bürgermeister Dr. Markus Bucka dar, der spätere Spitzenkandidat auf Listenplatz 1. Als Anästhesist und Notarzt werde es ihm wirklich nie langweilig.

Er wünscht sich allerdings, dass Ansbach ein bisschen unkomplizierter und ehrlicher sowie ein Stück menschlicher werde. Bei der BAP sei er deshalb aktiv, „weil wir keine Partei sind“. Unabhängigkeit sei in der heutigen Politik fast schon ein revolutionärer Akt.

Als Erfolge der BAP-Arbeit nannte er zum Beispiel die vierte Reinigungsstufe in der Kläranlage, „weniger Lichtverschmutzung“ durch reduzierte Straßenbeleuchtung oder einen Anfang dafür, die Grundschule Brodswinden generalzusanieren. Auch Abfallreduzierung, Baum- und Tierschutz sowie den „Grundwasser- und Hochwasserschutz, eine der größten Aufgaben unserer Zeit“, hob er hervor.

Markus Bucka formulierte die Ziele seiner Gruppierung angesichts der Wahl. Es geht ihr um „ein gutes soziales Miteinander“ und „eine lebenswerte Stadt“, aber auch um bezahlbaren Wohnraum („Wohnen darf kein Luxusgut sein“) und „Klimaschutz ohne Moralkeule, einfach durch weniger Verkehr“, jedoch „mehr Radverkehr, mehr kurze Wege, mehr Grün“.

Überdies stellte Markus Bucka „Kinder und Familien unterstützen“ und „Rezatparkplatz neu denken“ in den Mittelpunkt. „Wenn sowieso Hochwasserschutzmaßnahmen anstehen – warum dann nicht mutig denken? Ein Erlebnispark, neue Aufenthaltsqualität, weniger Parkplatz, aber viel mehr Stadtleben.“

Weitere Ziele waren „Stadtbild erhalten“, „gute ambulante medizinische Versorgung sichern“ und, mit Blick auf Krankenhäuser, „stationäre Versorgung bezahlbar und effizient halten“.

Vor allem will der Bürgermeister entscheidungsfreudige, ehrliche Politik, die auch Kritik an unpopulären Entscheidungen aushalten könne. „Wenn wir Mist bauen, werden wir das auch nicht vertuschen – sondern möglichst erklären und uns bei Bedarf auch entschuldigen.“

Neben Markus Bucka stellten sich alle weiteren anwesenden Kandidatinnen und Kandidaten vor. Claudia Nießlein (Platz 2) zum Beispiel warb für „ein starkes Ergebnis für die BAP“. Stadtrat und Versammlungsleiter Hannes Hüttinger (Platz 3) findet sich „hinreichend bekannt“. Dr. Volker Arendt kandidiert auf Platz 4 und will sehen, ob man „was bewegen kann“.

Manfred Stephan (Platz 5) etwa ging auf sein Wirken als Fraktionschef im Stadtrat seit 2008 ein, und Daniel Stiegler (Platz 6) machte sich, namentlich beim Thema Handel, dafür stark, pragmatischer zu handeln. Stadträtin Monika Raschke-Dietrich (Platz 7) sagte, „wir versuchen wirklich immer, ein bisschen was zu erreichen bei der Stadt“. Karl Springer besetzt auf eigenen Wunsch den letzten Platz 40. „Ich denke geradeaus, ich sag’s auch manchmal geradeaus“, stellte er fest.

Ohne eine Empfehlung für die OB-Wahl

„Jetzt müssen wir noch einen OB-Kandidaten wählen“, meinte Hannes Hüttinger mit betont ernster Miene. „Schlägt jemand jemanden vor?“ Nein, es gab keine Bewerberin und keinen Bewerber. „Dann gehe ich davon aus, dass Einverständnis besteht, dass wir keinen OB-Kandidaten aufstellen“, bemerkte er. Das Klopfen und Klatschen sprach dafür.

Der Vorschlag von Vorstand und Fraktion sei, auch keinerlei Wahlempfehlung abzugeben, machte der Versammlungsleiter deutlich. Damit zeigte sich die Versammlung ebenfalls hörbar einverstanden.

-1. Dr. Markus Bucka (65 Jahre, Notarzt, Bürgermeister)

-2. Claudia Nießlein (59, Beamtin)

-3. Hannes Hüttinger (69, Dipl.-Ing. (FH) Bauingenieur, Stadtrat)

-4. Dr. Volker Arendt (64, Zahnarzt)

-5. Manfred Stephan (69, Polizeihauptkommissar i.R., Stadtrat)

-6. Daniel Stiegler (43, Dipl.-Kommunikationswirt)

-7. Monika Raschke-Dietrich (68, Rentnerin, Stadträtin)

-8. Julia Zippold (39, Dipl.-Ing. Umweltingenieurin)

-9. Sebastian Höhn (34, M.S.M. Sozialpädagoge, Stadtrat)

-10. Christine Langkammerer (62, Bankkauffrau)

-11. Karl Willig (60, Biersommelier)

-12. Sven Vogt (45, M.Sc. Naturwissenschaften)

-13. Villy Wiegel (73, Sekretärin)

-14. Uwe Dätzel (62, Krankenpfleger)

-15. Max Hüttinger (33, Supply Chain Manager)

-16. Martha Choc (64, Realschullehrerin)

-17. Florian Müller (34, Schreinermeister)

-18. Linda Hildenbrand (25, Sanitätshelferin)

-19. Brigitte Zender (73, Krankengymnastin)

-20. Kerstin Bucka (53, Angestellte)

-21. Andreas Eisenbeiß (41, Beamter)

-22. Monika Kienzler (69, DB-Pensionistin)

-23. Vera Marchegiani (31, Polizeibeamtin)

-24. Roland Ullrich (68, Flurbereinigungstechniker)

-25. Angelika Simak (71, Studienrätin)

-26. Ralph-Peter Kappestein (65, Verwaltungswirt)

-27. Jannik Stephan (20, Student)

-28. Marianne Springer (68, Kinderpflegerin)

-29. Alexandra Rögner (49, Hotelfachfrau)

-30. Kurt Choc (66, Dipl.-Ing. (FH) Verfahrensingenieur)

-31. Pauline Renz (20, Studentin)

-32. Kerstin Grauf (61, Krankenschwester)

-33. Walter Ammen (69, Rentner)

-34. Ulrike Dumler (71, Pensionistin)

-35. Heike Barth (60, Physiotherapeutin)

-36. Norbert Dietrich (70, Gymnasiallehrer)

-37. Bernd Fischer (58, Schreinermeister)

-38. Thomas Remlein (64, Redakteur)

-39. Elisabeth Meisel (72, Dipl.-Ing. Architektin)

-40. Karl Springer (70, Rentner)

-41. (Ersatzkandidat) Rudi Schulz (72, Religionslehrer i.R.)

-42. (Ersatzkandidatin) Stefanie Probst (41, Angestellte)

-43. (Ersatzkandidatin) Frieda Langer (76, Rentnerin)